1. Vorlesung (21. 10. 04):
Begriffsbestimmung und historischer
Überblick. Ausgehend von der Einsicht, daß auch geistig-seelische
Eigenschaften genetisch bedingt sind, daher vererbt werden können und
der Evolution unterliegen, wird die Evolutionstheorie zur Grundlage von
Erklärungsversuchen.
pdf-Datei (108 kB)
2. Vorlesung (28. 10. 04):
Grundlagen der Farbenlehre:
Psychologische Grundfarben. Fast immer werden Rot (R), Gelb (Y), Blau (B) als elemantare Farbempfindungen benannt, meist auch noch Grün (G); selten Braun und andere. Daneben natürlich Schwarz und Weiß.
Farbreiz und
Farbempfindung. Wie kann man Farbreize messen und in Maßzahlen
ausdrücken? Einige Farbsysteme
(Runges Farbenkugel, Ostwaldscher Farbkörper, Munsell Book of Color,
DIN-Farbenkarte).
Verschiedene Effekte im
Zusammenhang mit Farbwahrnehmung: Assimilation, Simultan- und
Sukzessivkontrast, Nachbilder. Ein seltsamer Nachbildeffekt mit horizontalen und vertikalen Streifen verknüpft und schließlich (aus dem Internet) einige
Demonstrationen der Abhängigkeit der Helligkeitsempfindung von der Umgebung.
pdf-Datei (83 kB), mit Bildern.
3. Vorlesung (4. 11. 04):
Versuche mit dem Farbkreisel: "dunkles Gelb" empfinden wir nicht als Gelb, sondern als Olivgrün, "dunkles Orange" als Braun.
Was wir als Eigenschaften der Farben empfinden sind letztlich Eigenschaften unseres Farbsinnes. Warum ist Blau dunkel und Gelb hell? (Die Antwort kommt später).
Blick auf die
historische Entwicklung der Theorie des Farbensehens. Die Grundempfindungskurven. Die Dreidimensionalität des Farbraumes rührt daher, daß in der Netzhaut drei Arten von lichtempfindlichen Zellen (Zäpfchen) für das Sehen bei Helligkeit vorhanden sind. Die Farbstoffe, die das Licht absorbieren, leiten sich nach heutiger Meinung vom Sehpurpur des Nachtsehens ab, die Lage der Absorptionsmaxima ist durch die Bindung an große Eiweißmoleküle verschoben. Es ist anzunehmen, daß im Zuge der Evolution eine Optimierung des Farbsinnes stattgefunden hat.
Ein einfacher Versuch zeigt, daß das optische System des Auges (Hornhaut, Linse und Glaskörper) nicht (wie ein photographisches Objektiv) farbkorrigiert ist.
pdf-Datei (186 kB), mit Bildern.
4. Vorlesung (11. 11. 04):
Warum also ist Blau dunkel und Gelb hell? - Der Unterschied in der Brechkraft von Hornhaut und Linse des menschlichen Auges bei Wellenlängen von ca. 560 nm (Empfindlichkeitsmaximum) und bei ca. 440 nm (Maximum ber Blau-Empfindlichkeit) beträgt etwa eine Dioptrie: wenn das "rote" und das "grüne" Bild auf der Netzhaut scharf sind, ist das "blaue" Bild unscharf! Daher wird für die Helligkeitsempfindung und die damit verbundene Sehschärfe das Signal von den blauempfindlichen t-Zäpfchen nicht verwendet. Die p- und die d-Zäpfchen tragen je etwa zur Hälfte zur Helligkeitsempfingung bei. Daher ist es auch zweckmäßig, wenn die Empfindlichkeitsmaxima dieser beiden Zäpfchenarten nicht zu weit auseinander liegen (im Gegensatz zu der von
Harald Küppers geäußerten Meinung).
Die verbleibenden Farbsäume werden durch die aufwendige Datenverarbeitung, die die zwischen dem optischen Eindruck auf der Netzhaut des Auges und der Seh-Empfindung liegt, korrigiert.
Wann sieht man welche Farben? Typische Remissions- und Transmissionskurven.
Farben mischen: Substanzfarben;
subtraktive Mischung, subtraktive Grundfarben; Mischung durch Mittelung,
additive Mischung. Vergleich mit dem Farbkreis von Johannes Itten. Die als "Grundfarben" gewählten Farben Blau, Rot und Gelb sind nicht identisch mit den Farben, die für die subtraktive Mischung optimal sind ("Subtraktive Grundfarben" für Druck und Farbfilm), und sie entsprechen auch nicht den primären phgysiologischen Farbempfindungen (die bei Reizung von jeweils nur einer Zäpfchensorte entstehen würden).
Die Darstellung von Farben im RGB-System. Empfundene Intensitäten, das
Weber-Fechnersche Gesetz, die Herstellung einer gleichmäßig
abgestuften
Grauskala (siehe Anhang);
die RGB-Maßzahlen entsprechen den empfundenen
Intensitäten.
Psychologische Aspekte; wie kommt es zu der Übereinstimmung in der
Wirkung von Farben auf den Menschen?
pdf-Datei (100 kB), mit Bildern
5. Vorlesung (18. 11. 04):
Gedanken zur bildenden Kunst: Zeichnen: Magie? Wie funktioniert das Sehen,
und wie kann man beim Zeichnen die Illusion der räumlichen Tiefe
erreichen? Die Zentralperspektive. (Die zeichnerische Konstruktion ist identisch mit der von Schatten.)
Durch die Fotografie ist man heute an die zentralperspektivische Wiedergabe gewöhnt und ist geneigt, sie für die einzig "richtige" Art der Darstellung zu halten.
Nützliche Übungen, um zeichnen
zu lernen.
pdf-Datei (595 kB), mit Bildern
6. Vorlesung (25. 11. 04):
Malerei: Das Phänomen der Farbkonstanz erschwert die naturgetreue
Wiedergabe. Wieder muß gelernt werden, auch die ursprünglichen,
unverarbeiteten Sinneseindrücke wahrzunehmen. Bei der Plastik entfallen
die Probleme, die das Zeichnen und Malen erschweren.
Welche Eigenschaften eines Bildes bewirken, daß es uns gefällt?
Auf welchen Gebieten spielt Schönheit eine Rolle? Sind die
Bewertungskriterien angeboren, anerzogen ...? Was sind die Kennzeichen von
Schönheit?
pdf-Datei (40 kB)
2. Hausaufgabe: Fertigen Sie ein Selbstportrait
an . (Mit Bleistift auf einem Blatt
DIN A4.) Dafür sollten Sie nicht
länger brauchen als 20 Minuten, höchstens eine halbe Stunde.
7. Vorlesung (2. 12. 04):
Woher kommt das "Gefühl", das für unser Schönheitsempfinden
verantwortlich ist? Ist der evolutive Vorteil aufspürbar?
Einige Beispiele von "schönen" Bildern aus der Natur (Gebirgslandschaften, Regenbogen, Schmetterling, Pfauenfeder) werden zur Illustration der Bewertingskriterien projiziert.
Die umfangreiche Datenverarbeitung, die unsere Sinneseindrücke erfahren, wird uns nicht bewußt. Der Datenstrom, der bewußt verarbeitet werden kann, ist verhältnismäßig gering; alles, was sich ohne Bemühung des Bewußtseins bewältigen läßt (z.B. Gehen, Radfahren), wird daher von diesem ferngehalten, so auch die Bewertung von häufig ähnlich wiederkehrenden Situationen, die dann "gefühlsmäßig" geschieht. Die Bewertungskriterien, die zum Schönheitsempfinden führen, sind dieselben, die wir für unsere Entscheidungen fortwährend nutzen. Positive Signale, ohne daß unsererseits eine Handlung oder Entscheidung nötig ist, vermitteln uns nur ein zweckfreies angenehmes Gefühl, das Gefühl von Schönheit.
Nachahmen erspart eigene (komplizierte, fehleranfällige) Überlegungen und ist eine Hauptkomponente des Lernens. Die Wichtigkeit des Nachahmens hat dazu geführt, daß auch dies unbewußt erfolgen kann, Stichwörter: Mode, Vorbilder. Guter Geschmack - die Anpassung des eigenen Urteils an die "richtigen" Vorbilder.
pdf-Datei (61 kB)
3. Hausaufgabe: Suchen Sie ein Bild, das Ihnen gefällt, und geben Sie die Gründe dafür an.
8. Vorlesung (9. 12. 04):
Moderne Kunst. Die wichtigsten Stilrichtungen der "klassischen Moderne":
Realismus, Impressionismus, Pointillismus, Fauvismus,
Jugendstil (art nouveau), Symbolismus, Expressionismus, Kubismus,
Futurismus, Konstruktivismus, De Stijl, Bauhausstil, Dadaismus,
Surrealismus, Abstrakter Expressionismus, Pop-Art, Naturalismus (als
"Durchläufer")
pdf-Datei (47 kB, ohne Bilder)
Beispiele aus dem Internet werden projiziert:
Bilder von Monet, Pissarro, Sisley, Renoir, Degas, Seurat, Manet, Cézanne, Gauguin,
9. Vorlesung (16. 12. 04):
Fortsetzung der Vorführung von Beispielen für die modernen Kunstrichtungen:
Matisse, Derain,
Klimt, Schiele, Mucha, Munch, Füßli (Fuseli), Böcklin,
Ensor, Malevitch, Picasso, Braque, Duchamp, Malevich, Mondrian, Schlemmer, Klee, Albers, Rodchenko, Lissitzly, Beckmann, Pollock, de Kooning, Twombly
Es wird nahegelegt, im Internet auch noch nach den hier nicht gezeigten
zu sehen. Eine gute Startadresse ist das
"Artchive" von Mark Harden, wo die
Künstler auch den wichtigsten Stilrichtungen zugeordnet sind.
Ein Blick auf die Gegenwartskunst ("Postmoderne"). Wie kann der
Künstler erreichen, daß er auffällt (oder zumindest
in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird), um ins Geschäft zu
kommen?
- Die Bilder werden größer
- Darstellung des Häßlichen, Ekelerregenden, Obszönen
- Statt Bildern: Installationen, die auch immer größer werden
- Botschaften, die "die Gesellschaft verändern" sollen
- Klamauk
- Suggestion von magisch-mystischer Bedeutung.
Der Kunstmarkt, seine Akteure und ihr Wechselspiel. Sammeln ist
prestigeträchtig. Die Kunstkritik
ist durch die Ereignisse im Dritten Reich nachhaltig geschädigt und zu
ablehnender Kritik kaum noch in der Lage; der Kunstbegriff ist ausgeweitet
und die Maßstäbe sind abhanden gekommen. Kenntnis des Marktes
ersetzt das Kunstverständnis. Spontane
Symmetriebrechung als Modell: Einer guckt auf den anderen, und was schließlich als große Kunst hochgejubelt wird, ist eher zufällig.
Die pdf-Datei des Vorlesungsskripts wird erst nach der nächsten
Vorlesung weitergeführt.
4. Hausaufgabe: Suchen Sie im Internet ein Werk
der Gegenwartskunst (nach 1970 entstanden),
das Ihnen gefällt,
und geben Sie in Stichworten an, warum es Ihnen
gefällt. Suchen Sie eines, das Ihnen nicht gefällt, und
begründen Sie auch dies.
10. Vorlesung (13. 1. 05):
Beispiele für Gegenwartskunst werden projiziert:
Eine Auswahl aus einer 1986/87 in der DDR gezeigten Ausstellung "Positionen - Malerei aus der Bundesrepublik Deutschland" (Werke von Antes, Baumeister, Girke, Graubner, Kiefer, Klapheck, Nay, Polke, Richter, Schumacher und Uecker), sowie
aus dem Kunstmagazin art, Heft
12/2002
die "25 Werke,
die jeder kennen muss", um die in der letzten Vorlesung vertretenen Thesen zu illustrieren.
Ein kurzer Blick auf Musik und Literatur.
Die Bearbeitung von Texten für die Veröffentlichung
("Desktop-Publishing"). Als Einstimmung und Beispiel, was alles schiefgehen
kann, wird das Grußwort des Präsidenten aus dem
Vorlesungsverzeichnis, sowie das Leitbild der Universität
Hannover gezeigt, wie es im Vorlesungsverzeichnis abgedruckt ist.
pdf-Datei (75 kB,
Vorlesungen 9 und 10)
PS: Als kleine Ergänzung zum Thema Kunstbetrieb ein Zeitungsausschnitt.
5. Hausaufgabe: Gestaltung eines Werbeplakates (oder einer Seite für eine Internetpräsentation) für ein Ereignis, auf das eine Schule die Öffentlichkeit aufmerksam machen will. (Beispiele: ein Wohltätigkeitsbasar, eine Aufführung der Theater-AG, ein Papierflugzeug-Wettbewerb, die Arbeit der Aquarien-AG ...). Abgabe in der letzten Vorlesung (3. Februar 05).
11. Vorlesung (20. 1. 05):
Was macht ein gut gelungenes Schriftstück aus?
Inhalt, gute Gliederung des Inhaltes - hier nicht das Thema.
Stil: Berücksichtigung der Zielgruppe in Wortwahl und Satzbau.
Verzicht auf modische Fremdwörter (das Pidgin-Englisch der Werbung,
Soziologendeutsch).
Bildliche Wendungen (Metaphern) beleben den Text,
können aber bei Übertreibung oder sich widersprechenden Bildern
lächerlich wirken.
Orthographie: größere Fehlertoleranz nach der
"Rechtschreibreform".
Schließlich die Typographie.
Typographie: die Gestaltung von schriftlichen Arbeiten.
Ein kurzer Rückblick auf die zu Ende gegangene Ära des Druckens mit beweglichen Lettern.
Eine von Gutenberg 1458 und eine von
Garamond 1549 gedruckte Seite (beide dem Buch "TYPOgraphie wann wer wie", herausgegeben von Friedrich Friedl, Nicolaus Ott und Bernhard Stein, Köln 1998 entnommen).
Überlieferte Regeln und Faustformeln.
Layout: Papierformat, Satzspiegel, Zeilenlänge, Blocksatz oder
Flattersatz, Wahl der Schrift.
Wirkung verschiedener Schriften im Vergleich. Lesbarkeit.
Gruppeneinteilung der Druckschriften nach DIN 16518.
Schriftmuster: Garamond (Titelblatt eines alten Buches),
Times, Helvetica, Helvetica Narrow, Avant Garde,
New Century Schoolbook, Bookman und Palatino, jeweils in den
Ausführungen "Buch" (roman = normale Stärke), fett (bold) oder
halbfett (demi), kursiv (italic) oder geneigt (oblique), sowie die Zapf
Chancery Medium Italic (Zierschrift).
pdf-Datei (278 kB)
Literatur:
Hans Peter Willberg, Friedrich Forssmann: Erste Hilfe in Typographie. Verlag
Hermann Schmidt, Mainz 1999
Jürgen Gulbins, Christine Kahrmann: Mut zur
Typographie. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1992
6. Hausaufgabe: Verwenden Sie Ihr
Lieblings-Textverarbeitungs-Programm, um diese Formeln zu setzen. (Sollten Sie nach einer halben Stunde
noch nicht fertig sein, reicht das, was Sie in einer halben Stunde zuwege gebracht
haben.) Schreiben Sie in jedem Fall dazu, wie lange Sie gebraucht haben.
12. Vorlesung (27. 1. 05):
Mikrotypographie: Vorschriften für den Schriftsatz - Regeln, die für die Hand- oder Maschinenschrift nicht anwendbar und daher meist unbekannt sind: - Bei Verwendung von
Großbuchstaben kein 'ß', sondern 'SS' - Ligaturen: Keine Ligaturen zwischen
Wortstamm und Vor- und Nachsilben und über Wortfugen in
Zusammensetzungen - korrekte Anführungszeichen -
Raumverteilung (Spati[on]ieren), Zwischenräume, keine und kleine
Zwischenräume - Horizontale Striche: Trennstrich (Divis),
Gedankenstrich, Strich für 'gegen', 'bis' und 'minus' - Mathematische
Symbole (plus, minus, mal etc.) - Schriftauszeichnung
pdf-Datei (68 kB)
Literatur zur Mikrotypographie: Marion Neubauer,
Teil 1 und
Teil 2, mit vielen praktischen Hinweisen für TeX-Anwender.
Als Beispiel für vernachlässigte Typographie und Mikrotypographie werden einige Seiten aus der
Studienordnung LG projiziert: zu lange Zeilen, Wechsel zwischen Blocksatz und Flattersatz, in gleichartigen Überschriften Wechsel der Schriftart, falsche Anführungszeichen, fehlende Zwischenräume,(Tabellen, bei denen die Buchstaben an den Linien kleben) u.s.w.
13. Vorlesung (3. 2. 05):
Die Ergebnisse der Hausaufgaben werden gesichtet und zum Teil diskutiert.
1. Aufgabe: Die Erhebnisse des Abzeichnens "aufrecht" und "Kopf nach unten" waren überraschenderweise gleich gut. Zu erwarten wäre gewesen, daß verkehrtherum genauer gezeichnet wird. Ich führe das darauf zurück, daß alle Teilnehmer überdurchschnittlich geübt im Zeichnen waren.
2. Aufgabe: siehe Galerie der Selbstporträts
3. und 4. Aufgabe: Einige der ausgewählten Bilder wurden projiziert und in einigen Fällen wurde auf die gegebenen Begründungeg für Zustimmung oder Ablehnung eingegangen.
5. Aufgabe: Die Plakatentwürfe (niemand hatte sich an einer Seite fürs Internet versucht) waren z.T. recht sorgfältig ausgeführt unter Nutzung der heutigen technischen Möglichkeiten, zum Teil witzig, alles in allem aber für meinen Geschmack eher zu konventionell oder zaghaft.
Zusammenfassung und Schluß:
Es hat mich gefreut zu sehen, daß von den Hörern einige offensichtlich Spaß an der Bearbeitung der Aufgaben hatten. Fast(?) alle hatten sich schon vorher mit Fragen der Ästhetik oder der bildenden Kunst beschäftigt (oder auch einen guten Kunstunterricht in der Schule gehabt), so daß ich vermutlich "Eulen nach Athen getragen habe".
Anhänge
Für die, die es genauer wissen wollen, wird hier noch ergänzendes
Material bereitgestellt:
Die Rechnung zum Weber-Fechnerschen Gesetz: Grauskala mit dem Farbkreisel.
pdf-Datei (67 kB)
Kritik an der Farbenlehre von Harald Küppers
Galerie der Selbstporträts (Ergebnisse der
2. Hausaufgabe).
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